Alternative Poolreinigung ohne Chlor – Geht das?

Chlor, das chemische Element, verbinden die meisten Menschen mit einem typischen, unangenehmen Geruch und der Desinfektion von Wasser, vorzugsweise dem Poolwasser. Chlor ist aber hauptsächlich ein wichtiger Ausgangsstoff zur Herstellung von beispielsweise Kunststoffen wie Polyvinylchlorid, es wird aber auch in der Fertigung von Arzneistoffen verwendet.

Chlor oder Chlorgas findet auch heute noch in der Wasserdesinfektion eine breite Anwendung, ist jedoch keineswegs unproblematisch. Chlor in reiner Form ist hochgiftig und wurde etwa in den letzten beiden Weltkriegen als Giftgas eingesetzt. Davon abgesehen können die in Schwimmbädern verwendeten Chlorlösungen, die stark verdünnt sind, im Wasser mit organischen Verbindungen wie Hautschuppen oder Kosmetika sogenannte Trihalogenmethane bilden, welche wiederum Asthma oder Blasenkrebs auslösen können.

Es gibt Alternativen zur Wasserdesinfektion, die einerseits verschiedene Verfahren und Techniken zur Wasseraufbereitung beinhalten, andererseits auf das Verhalten von Badegästen eingehen. Immerhin besuchen allein in Deutschland jährlich etwa 250 bis 300 Millionen Menschen jeden Alters öffentliche Schwimmbäder. Das hat das Bundesumweltamt veranlasst, die hygienischen Sicherheitsbestimmungen so weit zu verändern, dass der Einsatz von Chlor merklich reduziert werden konnte. Basis hierfür war ein Förderprojekt unter Beteiligung verschiedener Universitäten, dem Bundesumweltamt selbst sowie privaten Unternehmen.

Die Gefahren in privaten Schwimmbecken durch Chlor

Im Gegensatz zu öffentlichen Anstalten, die sich in der Wasseraufbereitung an die gesetzlich vorgegebenen Grenzwerte halten müssen, steht es dem privaten Schwimmbadbesitzer frei, die Desinfektion des Wassers nach eigenen Vorstellungen zu betreiben. Dabei haben die meisten Schwimmbadbesitzer die Erfahrung gemacht, das Wasser in einem Schwimmbecken nicht so einfach sauber zu halten ist, wie es auf den ersten Blick scheinen mag.

Wasser ist Leben und dies im wahrsten Sinne des Wortes. Wird etwa ein Pool im Garten in der Sommerzeit für nur drei Tage sich selbst überlassen, entsteht dort millionenfaches Leben in mikrobakterieller Größe. Das Wasser beginnt sich aufgrund der Schwebstoffe einzutrüben, diese Bakterien dienen wiederum größeren Lebensformen wie Algen und Pilzen als Nahrungsgrundlage. Schon nach einer Woche ist ein unbeaufsichtigter Pool ein Biotop, das aber auch lebensbedrohliche Viren und Bakterien beinhalten kann und diese Gefahr ist weitaus größer als die Gefahren, die von Desinfektionsmitteln ausgehen. Dabei sollten Poolbesitzer nicht auf die selbstreinigende Wirkung von Flüssen oder Seen verweisen. Das kann ein Pool nicht, weil ihm die notwendigen biomechanischen Bestandteile fehlen. Lediglich Schwimmteiche können sich selbst reinigen, weil sie der Natur nachgeahmt sind, aber auch hier besteht nur ein sehr fragiles Gleichgewicht, das es zu beaufsichtigen gilt. Fällt in einem Schwimmteich beispielsweise die Umwälzpumpe für längere Zeit aus, kippt das Wasser in kürzester Zeit um.

Welche Alternativen zu Chlor gibt es bei der Poolreinigung?

Um es vorweg zu sagen: Wer völlig ohne Chlor auskommen möchte, muss eine ganze Reihe verschiedener Verfahren und Mittel einsetzen, um der Breitbandwirkung des Chlors nahezukommen. Nachfolgend eine Liste der Möglichkeiten zur Wasserdesinfektion, wobei dies immer in der Kombination zu betrachten ist:

• Wasserstoffperoxid (Aktivsauerstoff)
• Anti-Algenmittel
• Mittel gegen die Bildung von Metall-Ionen
• UV-Bestrahlung

Zusätzlich nützlich sind verschiedene Filteranlagen wie leistungsstarke Sandfilteranlagen oder Kartuschenfilter. Diese dienen jedoch lediglich der mechanischen Reinigung und nicht der Desinfektion.

Der erstgenannte Aktivsauerstoff ist ein recht zuverlässiges Mittel, das es in verschiedenen Formen gibt, um es in das Schwimmbadwasser einzubringen. Die Wirkweise ist gut, jedoch benötigt auch der Aktivsauerstoff weitere Zusätze, etwa gegen Algenbildung. Beide Produkte zusammen sind wesentlich teurer als Mittel auf Chlorbasis.

Die UV-Bestrahlung des Wassers, mit deren Hilfe Keime abgetötet werden, funktioniert bei bestimmten Bakterien nicht und ist auch lediglich in einem begrenzten Bereich wirksam, es sei denn, der Poolbesitzer könnte eine riesige UV-Lampe über das Schwimmbad stülpen.

Wer tatsächlich dem Chlor vollständig abschwören möchte und trotzdem einen Swimmingpool herkömmlicher Bauweise unterhält, wird in seiner Freizeit viel beschäftigt sein, allerdings weniger mit Badespaß, sondern vielmehr mit der Dosierung der Desinfektionsmittel. Deren Menge und Leistung hängt nämlich nicht nur vom Volumen des Beckens ab, sondern zusätzlich auch von der jeweiligen Temperatur des Wassers und der Außentemperatur.

Fazit: Ganz ohne Chlor geht es kaum

Chlor kann zwar reduziert werden, damit ein Pool aber noch wirtschaftlich und mit einem gewissen Spaßfaktor betrieben werden kann, wird es ohne die Multifunktionswirkung des Chlors nicht gehen.

Was wesentlich dazu beiträgt, das Wasser sauber zu halten, ist das Verhalten der Schwimmbadnutzer. Dies wurde auch in der Studie des Bundesumweltamtes festgehalten. Sonnencreme, Kosmetika, Schweiß und sandige Füße sorgen für einen erheblichen Eintrag von Stoffen, die sich in der Folge zusammen mit Chlor zu Trihalogenmethanen wandeln. Selbst ohne Chlor sind dies Dinge, auf die andere Schwimmbadnutzer nur ungern stoßen und die nur langsam über die Filter mechanisch entfernt werden. Im Idealfall duscht der Schwimmbadnutzer vor dem Einstieg ins Becken und nutzt möglichst keine stark haftende Sonnencreme oder Kosmetika auf Fettbasis. Ebenso sollten die Füße gesondert gereinigt werden, etwa durch ein kleines Becken an der Einstiegsleiter zum Schwimmbad.

Dadurch wie auch durch das Bedecken des Pools mit einer Plane, wenn er nicht genutzt wird aber auch über Nacht, kann der Chloreinsatz auf ein unbedenkliches Maß reduziert werden. Bei aller zu verstehenden Vorsicht bezüglich Chlor sollte nicht vergessen werden, dass Bakterien wie Salmonellen die ungleich höhere Gefahr darstellen.


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